Projekteinblicke zu Abwasserpumpstationen

Die Inhalte werden so aufbereitet, dass Ausgangslage, technische Bearbeitung, verfügbare Bilder, Grafiken und belastbare Daten nachvollziehbar dargestellt werden können.

Betreiber-, Standort- oder sicherheitsrelevante Anlagendetails werden nicht öffentlich genannt.

Aufbau der Projekteinblicke mit Ausgangslage, technischer Bearbeitung und Ergebnis bzw. Nutzen

Objekt: Abwasserpumpstationen Nr. 11 / APS 11

01 Ausgangslage, Untersuchung und Messdaten

Die betrachtete Abwasserpumpstation war seit den 1970er Jahren in Betrieb. Bestand: vier horizontal aufgestellte Abwasserpumpen in Trockenaufstellung, davon zwei Betriebs- und zwei Reservepumpen. Nennpunkt je Aggregat: Q = 800 m³/h, H = 32 m, Motorleistung 160 kW.

Vor der Rekonstruktion wurden Fördermenge, Druckverhältnisse und Leistungsaufnahme mit mobiler Messtechnik unter unserer methodischen Begleitung erfasst. Die anschließende Auswertung der Messdaten durch unsere Fachleute zeigte eine niedrige energetische Effizienz der bestehenden Anlage sowie bei einem Aggregat zeitweise instabile Regelvorgänge mit Rückfluss aus der Druckleitung. Diese Daten bildeten die technische Grundlage für die Bewertung der Anlage und die weitere Auslegung der Rekonstruktionslösung.

Darauf aufbauend umfasste unsere fachliche Beteiligung die technische Auslegung der Rekonstruktionslösung, die Auswahl wesentlicher Anlagenkomponenten, die Abstimmung von Fördertechnik, Armaturen und Steuerung sowie die Begleitung der Bauphasenlösung und der späteren Einbindung vor Ort.

aps11 datengrundlage tabelle neu
aps11 datengrundlage diagramm

02 Technische Bewertung und Projektlösung

Auf Basis der Messdaten und der technischen Bewertung wurde eine Rekonstruktionslösung mit vertikalen Abwasserpumpen in Trockenaufstellung ausgelegt. Für diese Lösung wurden Rohrleitungsführung, Armaturen und Anforderungen an die Steuerung festgelegt.

Für die Bauphase wurde zusätzlich eine temporäre Förderlösung entwickelt. Sie ermöglichte Arbeiten im Maschinenraum und im Annahmebereich ohne Unterbrechung der Abwasserförderung.

Für den temporären Betrieb wurde eine Pumpengruppe mit zwei selbstansaugenden Pumpen und frequenzgeregelter Steuerung eingesetzt. Die Förderleistung wurde über den Wasserstand geregelt, da während der Rekonstruktion kein regulärer Ausgleichsbetrieb über den vorhandenen Pumpensumpf möglich war.

aps11 zeit schema spieg

Kenndaten der ausgelegten Rekonstruktionslösung
Bemessungszuflüsse: Qmax,h: ca. 1.674 m³/h · Qmin,h: ca. 670 m³/h.
Vorgesehenes Pumpenkonzept: 4 vertikale Abwasserpumpen in Trockenaufstellung, frequenzgeregelter Betrieb. Auslegung je Aggregat bei Nennfrequenz: Förderbereich 564–936 m³/h · Förderhöhe 30,85 m · P2 = 115 kW.

aps11 card 02 rechtcont 3prlis 240626

03 Rekonstruktion und Betrieb während der Umsetzung

Nach dem Aufbau und der Inbetriebnahme der temporären Förderlösung konnte die Alttechnik im Maschinenraum und im Annahmebereich vollständig demontiert werden. Die selbstansaugenden Gorman-Rupp T10A3S-B förderten dabei wechselweise direkt aus dem Zulaufkollektor und wurden frequenzgeregelt betrieben. Danach wurden die Arbeitsbereiche vorbereitet, die neue Technik montiert und an die bestehenden äußeren Druckleitungen angeschlossen.

aps11 card03 umsetz 4 row 240626 q88

Das Abwasser gelangt über den Zulaufkollektor DN 1000 zunächst in zwei Zulaufkanäle der Pumpstation. Dort sind Edelstahl-Penstocks und Franklin Miller DIMMINUTOR DM25-Mazeratoren angeordnet und in das Zulauf- und Betriebskonzept der Station eingebunden. Von den Kanälen fließt das Abwasser in den Annahmebehälter und wird anschließend von den Hauptpumpen in die Druckleitungen gefördert. Die vier vertikalen Trockenaufstellungspumpen S2.110.200.1150.4.70M.D.416.G.N.D mit je 115 kW stehen im Maschinenraum. Je nach Zufluss arbeitet eine oder zwei Pumpen; zwei weitere Aggregate bilden die 100%-Reserve.

aps11 card03 ergebnis 3photos 1row q95

Die Messungen vor der Planung zeigten reale Zuflüsse von rund 150 bis 1.200 m³/h; die Auslegung berücksichtigte bis 1.500 m³/h als maximale Stundenförderung. In Abstimmung mit dem Auftraggeber wurden die endgültigen Auslegungsparameter entsprechend gewählt, um den geforderten Förderbereich und eine zusätzliche Förderhöhenreserve bei ungünstigen Randbedingungen des Druckleitungsnetzes sicherzustellen.

Zur Hauptausrüstung gehörten Grundfos-Drainagepumpen, VAG-Messerschieber mit AUMA-Antrieben, Rückschlagklappen und VAG-Be-/Entlüftungsventile, Schneider-Electric-Schaltanlagen sowie Automatisierungs- und Leittechnik mit Siemens-Komponenten. Die Betriebsparameter wurden bei den abschließenden Einstell- und Inbetriebnahmearbeiten festgelegt.

04 Einstellungen, geregelter Betrieb und Ergebnis

Nach der Montage und dem ersten Betrieb der Anlage wurden die realen Betriebsbedingungen überprüft: Wasserstände im Annahmebehälter, Pumpenlage, statische Förderhöhe und Widerstandsverhalten der Druckleitung. Auf dieser Grundlage wurden die Arbeitspunkte der Pumpen bei unterschiedlichen Wasserständen und Drehfrequenzen modelliert.

aps11 modellpruefung 50 42 tabellen v03 narrowlast

*) Arbeitspunkt aus Pumpenkennlinie und Kennlinie des Druckrohrleitungsnetzes.
**) Kavitationsreserve = ΔH + Höhendifferenz zwischen Wasserstand und Pumpenachse, jeweils mit Vorzeichen.

Auf Grundlage der Modellierung wurde für die automatische Steuerung je Pumpe ein Frequenzbereich von 38,0 bis 42,0 Hz festgelegt. Diese Grenzen stellen die erforderliche Fördermenge und einen stabilen Betrieb der Rückschlagklappen sicher; zugleich bleibt die Pumpe innerhalb des zulässigen Kennlinienbereichs und mit ausreichender Kavitationsreserve.

Energetische Einordnung

Die installierte Motorleistung je Hauptpumpe wurde von 160 kW auf 115 kW reduziert. Gleichzeitig wurde der Betrieb auf kleinere, frequenzgeregelte Pumpen mit definierter Betriebsstrategie umgestellt.

Für die Pumpenförderung ergab sich daraus ein deutliches Einsparpotenzial. Unter Berücksichtigung der neuen Betriebsweise lag die rechnerische Reduzierung des Energiebedarfs der Fördertechnik in der Größenordnung von über 40 %. Zugleich wurden mit der Rekonstruktion zusätzliche technische Systeme wie Lüftung und Wärmepumpen in die Gesamtanlage integriert.

Frage zu unserem Ansatz?

Wenn Sie eine technische Fragestellung haben oder mehr zu unserer Arbeitsweise, den Modellen, Förderthemen oder Projektbeispielen wissen möchten, können Sie Ihre Anfrage frei formulieren.

Wir prüfen die Angaben und melden uns mit einer passenden Rückmeldung.

Was hilft für die Einordnung?